Heinz Rühmann war ein sehr weiser Mensch
 
Hier finden Sie eine Auswahl seiner schönsten Zitate.
Wie kann man jemanden besser verstehen,
als wenn man seine Ansichten kennt ?
 
Privat
 
(über seine Mutter)
Ihr habe ich nicht vieles, sondern alles zu verdanken.
Von uns drei Kindern war ich ihr, glaube ich, am
ähnlichsten. Sie war im Geiste oft neben mir, wenn ich auf
der Bühne stand, sie blieb auch später bei mir und führte
mich, nur war ich damals noch zu jung,
um es zu begreifen.
 
Bereits mit zwei oder drei Jahren soll ich versucht haben, Bilder aus Illustrierten
oder Zeitungen nachzuspielen, deren Unterschriften man mir vorlesen mußte.
 
Ich war damals mit zehn das, was die meisten in
diesem Alter waren, sind und hoffentlich immer sein
werden: ein Lausejunge.
 
Ich landete an der Luitpold-Schule, um das Abitur zu machen.
Da passierte es! Ich ließ im Laufe der Zeit mehr und mehr in meinen
Leistungen nach. Daran war keine Primanerliebe schuld, sondern in
mir rumorte das Theater. Mit einen Mal! Wodurch? Wieso? Warum? -
Ich weiß es nicht. Außer Märchenvorstellungen hatte ich kein
Theatererlebnis. Aber ich konnte an nichts anderes mehr denken.
Es war wie ein Zwang. Ich probierte vor dem Spiegel. Stundenlang.
 
Aller Anfang ist schwer
 
Während meines ersten Engagements wohnte ich in einem möblierten Zimmer,
das deshalb so preiswert war, weil es Wanzen an der Decke hatte.
 
Breslau und seine Theater waren in den zwanziger Jahren das Sprungbrett für junge
Schauspieler zur Großstadt-Karriere. Käthe Gold ,Walter Franck, Berta Drews und viele
andere wurden dort entdeckt.
Nur bei mir ging es schief.
 
Bei meinem ersten Engagement in Breslau lachten die Leute Tränen, doch
bedauerlicherweise an Stellen, die Ergriffenheit verlangt hätten.
 
Ich muß schamlos übertrieben haben, weil ich nur ein Ziel kannte. Ich
wollte das Publikum auf mich aufmerksam machen, ganz gleich,
was ich spielte, und ich wollte zeigen, was ich alles konnte.
Sprachlich und körperlich.
 
Bei vielen Kollegen galt ich als arrogant und war nicht beliebt.
Dabei war ich einfach nur schüchtern. So schüchtern, daß ich mich nicht
vorzustellen getraute.
 
Schlechte Kritiken bekam ich auch. Für junge Schauspieler sind Kritiken
ungeheuer wichtig. Eine weiß ich noch wörtlich: Herr Rühmann
unterhielt wieder einmal die Galerie; Herr Spielleiter, legen Sie dem jungen
Mann mehr Fesseln an!
 
Ein Jahr war ich in Breslau, da wechselte die Direktion. Richard Gorter ging,
Paul Barney wurde Direktor. Er übernahm nicht nur das Theater, sondern
auch das gesamte Ensemble. Mit einer Ausnahme.
Und die war ich. Als einziger wurde ich nicht wieder engagiert. Wegen
mangelnder Begabung. Ich war nicht etwa verzweifelt. Ich wunderte mich nur.
 
Die Leinwand lacht
 
(über Die Drei von der Tankstelle.)
Der Film war im In- und Ausland ein ganz großer Erfolg.
Auch für mich persönlich, wenn auch die Zuschauer erst
ins Programmheft schauen mußten, um zu lesen,
wie der Kleine mit der Brille hieß.
 
Die mäßigen Filme waren gegen den Hunger -
die guten für den Aufstrich.
 
Ich war mal ganz unten. Kaputt. Erledigt. Den Inhalt meiner Taschen
haben sie mir gepfändet. Bei der Pleite meiner Filmfirma Comedia
war das. Ich war zum Kassengift geworden, zum Kassenschreck.
Aber weil keiner mich mehr beschäftigen wollte, habe ich zum
Theater zurückgefunden, zu Regisseuren wie Kortner, zu Autoren
wie Beckett, Arthur Miller, im Film zu Rollen wie dem Schweijk,
dem Hauptmann von Köpenick.
 
Die ersten der angeblich so goldenen fünfziger Jahre -
für meine Frau und mich waren sie alles andere als golden.
Der Gerichtsvollzieher kam fast täglich.
 
Die Gesetze des Mißerfolges sind so rätselhaft wie die des Erfolges.
Wenn einer mal mit irgendwas gescheitert ist, dann klebt das an ihm in dieser
abergläubischen Branche wie ein Makel, obgleich das mit seinen
schauspielerischen Fähigkeiten nichts zu tun hat.. Ihm bleibt nichts anderes
übrig, als noch mal von vorn anzufangen. Und das tat ich dann auch.
 
Die Frauen in seinem Leben
 
Ich war und bin in Wirklichkeit kein stürmischer Liebhaber. Zu dem war
ich auch kein Typ, der von sich sagen durfte: Ich breche die Herzen der
stolzesten Frau'n wie es in einem Chanson heißt, das ich später oft sang.
 
Lustig radelte ich eines schönen Tages wieder einmal nach Worpswede,
durch die Moorlandschaft, die es mir angetan hatte. Kurz vor dem
Ziel überholte mich ein reizendes, ebenfalls radelndes Geschöpf.
Kaum war die Schöne vorbei, da stellte ihr das Schicksal ein Bein.
Als sie sich neugierig nach mir umschaute, passierte es:
Plumps, lag sie mit zerschundenen Knien auf der Straße.
Das hast du nun davon, kleines Mädchen, wenn du dich nach einem
Mann umdrehst, dachte ich. So begann’s. Soll ich davon wirklich noch
Viel erzählen? Ihr wißt es ja alle, wie es ist, wenn man sich in ein
junges Mädchen verliebt.
 
Meiner geschiedenen Frau verdanke ich sehr viel, ich profitierte von
ihrer geistigen Beweglichkeit, sie stärkte mein Selbstvertrauen und
beschaffte mir als Anfänger Engagements. Sie ist auf meiner
Hochzeit mit Hertha Feiler gewesen.
 
Ich weiß, daß ich heute vielleicht der höchstbezahlte Schauspieler
Deutschlands bin. Aber ich wäre das nie mehr geworden,
wenn mir meine Frau kein Zuhause und kein Alleinsein mit
ihr geboten hätte.
 
Es ist nicht leicht. Zum Glück ist meine Frau keine besessene
Schauspielerin, die ohne ihren Beruf nicht leben könnte.
(1968)
 
Ich will nie wieder vor eine Kamera.
(1970,
nach dem Tod von Hertha Feiler)
 
Meine Frau wollte unbedingt, daß ich nach ihrem Tode
weiterspiele. Weil ich, wie sie meinte, den Menschen
etwas geben kann. So versuchte ich alles, um mich nicht zu verlieren.
(1974)
 
über Hertha Droemer
Ich habe einen Menschen an meiner Seite, mit dem ich wieder sehr,
sehr glücklich geworden bin, nachdem ich das schon nicht mehr für
möglich gehalten habe.
(1979)
 
Man kann - ich glaube, ich habe das bewiesen - auch aus Unglück,
aus tiefsten Depressionen heraus immer wieder zur Bejahung
des Lebens finden, die vielen positiven Möglichkeiten sehen
und wahrnehmen, die uns gegeben sind. Deswegen genießen
wir jeden Tag und jede Stunde als ein großes Geschenk.
(1979)
 
Faszination Technik
 
Den Vierzylinder habe ich, weil ich meinen dreirädrigen Diavolo verkaufen
konnte. Den wiederum besaß ich nur, weil ich vorher ein Motorrad hatte,
das ich einem Ausländer abkaufte. Vorläufer des Motorrads war ein
Fahrrad, das ich durch Nachhilfestunden verdient hatte. Sie sehen also:
Meine Passion hat einen richtigen Stammbaum.
(Interview 1928)
 
Ich habe schon immer für Motoren viel übrig gehabt. Sie sprechen für
mich ihre eigene Sprache und nehmen von ihren Herrn all die Liebe
und Sorgfalt an, die er ihnen zukommen läßt.
 
Wie Frauen beim Bummel durch die Stadt vor Modegeschäften
stehen bleiben, so suche ich - gleich in welcher Stadt - Autosalons,
die ich in meiner manischen Technikbesessenheit auch sofort finde.
 
Über seinen ersten Flug, einen Rundflug über Berlin in einer offenen Maschine:
Benommen und beeindruckt war ich, in Sekundenschnelle war es geschehen,
und ich war auf der Stelle verloren - endgültig und für immer ein Fliegernarr.
Angst habe ich nur einmal gehabt - vor 25 Jahren, in Staaken, als ich noch
nicht fliegen konnte und meine Fliegerlaufbahn mit einem Bruch begann.
Ich schmierte mit einer klapprigen Sportmaschine aus 30 Meter Höhe ab
und stellte das Vögelchen auf den Kopf. Ein Rad war weg, der Propeller
zersplittert. Da es seinerzeit noch keine Versicherungspflicht gab,
mußte ich den Schaden aus der eigenen Tasche blechen.
(1956)
 
Weihnachten, Ostern, Pfingsten und alle anderen Feiertage zusammengerechnet
würden nicht ausreichen, meine Erregung begreifen zu lassen.
Mein Kindertraum war im Sommer 1932 in Erfüllung gegangen.
Da stand sie, meine kleine Klemm, funkelnagelneu, glitzernd im Sonnenlicht!
Wie hätte ich mich gefreut, als ersten Fluggast die Mutter mitnehmen zu können,
wie ich es ihr so oft versprochen hatte.
 
Manchmal träume ich, ich fliege. Nicht mit dem Flugzeug oder Ballon,
nein, selbst, ohne alles.
 
Dieser Rust , der da in Moskau landete - fliegerisch eine tolle Leistung.
Aber natürlich macht man so was nicht.
Man muß in der Luft umkehren können.
 
 
Herr und Hund
 
Tiere, vor allem Hunde, gehörten seit meiner Jugend zu meinem Leben.
Irgendwo habe ich einen Satz gehört, der mir aus dem Herzen gesprochen
ist: Natürlich kann man auch ohne Tiere leben, aber hat das Leben dann
noch einen Sinn?
 
Die Zahl der Filme, in denen ich mit Hunden spielte, ist Legion.
Nicht selten habe ich mich so an die Vierbeinigen Kollegen
gewöhnt, daß ich sie nach den Dreharbeiten mit nach Grünwald
nahm und adoptierte.
 
Mein bester Co-Pilot war Struppi.
Mein Rauhhaardackel. Struppi war absolut luftdicht.
 
Bretter, die das Glück bedeuten
 
Ich halte es mit Max Reinhardt, dem genialen Theatermann der zwanziger Jahre,
der einmal sagte: Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters.
Es ist der letzte Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt
und sich damit auf und davon gemacht haben,
um bis an ihr Lebensende weiter zuspielen.
Zunächst einmal ist der Stoff wichtig. Es hat wenig Sinn, eine sehr gute Rolle
in einem schlechten Stoff zu spielen. Und am liebsten spiele ich in einem sehr
guten Ensemble mit sehr guten Kollegen. Denn im Gegensatz zu dem,
was man mir oft nachsagt, möchte ich nicht der Star sein.
 
Manchmal, wenn das Lachen im Parkett verstummt, wenn es ganz still wird
und ich die Menschen führen kann - aus dem Lachen heraus in ein
Schweigen der Erschütterung -, dann fühle ich mich glücklich.
(1974)
 
Ich kam dahinter, daß man am Theater nicht immer etwas wollen muß,
um aufzufallen, sondern daß das Stille, Unabsichtliche auch zum
Erfolg führen kann.
 
Das Theater ist nun mal kein Schlaraffenland, in dem einem die gebratenen
Tauben in den Mund fliegen.
 
Das Publikum lacht ja gerne mit, wenn es weiß, warum auf der Bühne
gelacht wird. Ist es mit einbezogen, gibt es oft spontanen Szenenapplaus,
und der wiederum schafft uns Schauspielern die Atempause,
den Lachreiz zu unterdrücken.
 
Ich bin dem Leben dankbar, Schauspieler zu sein -
das ist der schönste  Beruf der Welt.
 
Vom Kintopp zum Pantoffelkino
 
( Über die ersten Tonfilme.)
Wir waren alle mit Begeisterung bei der Sache und bejubelten in den
Mustervorführungen jeden Ton, jedes Geräusch. Papierrascheln,
Geklirr beim Löffel rühren in einer Tasse, Wassertropfen.
Ich erinnere mich, wie entzückt wir waren, als die Tür quietschte.
Dann ölte sie ein eifriger Atelierarbeiter, und nun ging sie lautlos auf und zu.
Längere Drehunterbrechungen. Zwei Mann arbeiteten angestrengt so lange,
bis die Tür wieder quietschte.
 
In einem Brief aus Meersburg am Bodensee wurde mir mitgeteilt, daß ein
Schüler - genau wie im Film - ein Schild an das Schulgitter gehängt hatte:
Wegen Bauarbeiten bleibt die Schule heute geschlossen.
Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer kehrten morgens um, und der
Direktor saß, wie in der Feuerzangenbowle allein in der Schule.
 
Eine internationale Karriere habe ich nie gemacht.
Meine Stimme ließ sich nicht synchronisieren, und
so einen deutschen Typen wie den Hauptmann von
Köpenick können Franzosen und Italiener nicht verstehen.
 
Theaterrollen vergißt man nie. Filme schon: wenn sie
auf Celluloid sind, hat man den Kopf wieder frei.
 
Ernst ist das Leben- Heiter ist die Kunst.
 
Anstrengung? Danach wird nicht gefragt,
das ist unser Beruf.
 
Wenn ein Schauspieler sich voll mit einer Filmrolle
identifiziert. Dann wird aus der Scheinwelt des Films
oder des Theaters die Wirklichkeit.
 
Ich sehe Menschen in erster Linie als Schauspieler.
Ich studiere sie ununterbrochen, entdecke sofort das
Typische an ihnen und nehme das in mich auf. Ich
kann ihnen stundenlang zuschauen. Wenn ich nur
einen Platz fände, wo mich niemand erkennt! (1974)
 
Über seine Rollen.
 
Die Leute lachen ja immer, wenn sie mich sehen.
Den Leuten fällt da wahrscheinlich Charleys Tante oder
Der Mustergatte eher ein als etwa der Pfandleiher oder
Der Tod des Handlungsreisenden- das blieb nicht haften.
Allerdings habe ich die anderen, die komischen Sachen
ja auch viel länger gemacht.(1975)
 
Über Schweijk
Ist Schweijk dumm, oder tut er nur so? Steckt in diesem
borstigen Schädel nicht ungeheuer viel Schläue? Ich habe
versucht, beides anzudeuten, ein bißchen in der Schwebe
zu lassen. Dabei ist mir erstmals richtig klargeworden,
wie schwer es ist, einen Dummen zu spielen, der
vielleicht gescheiter ist als wir.
 
Wissen sie - den Schweijk würde ich heute anders spielen.
gefährlicher , Die Leute glauben ja das ist ein Spaßvogel,
aber das ist er gar nicht. Der Schweijk ist ein absolut ernster
Mensch, der nur komisch wirkt. Das hat mir am meisten
Schwierigkeiten gemacht. Das würde ich gerne nochmal spielen.(1992)
 
Den Hauptmann von Köpenick mag ich nicht mehr so recht,
wie ich ihn gespielt habe. Der war zu nett. Und zu lustig.
Eigentlich war er ein armer Mensch,der sich für jahrelanges
Eingesperrt sein revanchiert, indem er das Militär ad absurdum
Führt. So muß man den spielen. So würde er mehr
Gewinnen und bedeuten.(1992)
 
Über die Rolle im Narrenschiff
Nicht nur, daß die Rolle so geworden ist, wie ich sie mir dachte und
wie ich sie spielen wollte. Sondern, daß auch die Arbeitsumstände
so durchaus angenehm sind, hat mein erstes Gastspiel in Hollywood
so schön gemacht.
 
Man hat mich oft gefragt, warum ich so gerne Figuren
am Rande der Gesellschaftsordnung darstelle, vielleicht,
deshalb. Weil ich in ihnen die Erfahrung meines Lebens
ausdrücken kann, gerade auch die Niederlagen und
Nackenschläge .Von einem gewissen Alter an habe
das alles nicht mehr verdrängt, sondern in meinen Rollen
verarbeitet . Um den Menschen klarzumachen, daß Trauer
und Schmerz zu unseren Leben gehören.
 
Das Schicksal des kleinen Mannes und was er zu sagen hat
ist soviel interessanter als das, was große Persönlichkeiten
von sich geben. Wann kommt er schon einmal zu Wort? Wann
kann man ihm ein Denkmal setzen?
 
Wenn ich heute über mein Leben nachdenke. Müßte ich
allenfalls sagen: ich bin doch nicht das geworden, was ich
eigentlich gern geworden wäre, nämlich ein großer Clown.
 
Nichts ohne Disziplin
 
Ich bin kein Mensch, der gut ohne Uhr leben könnte.
Ich bin kein Sklave der Zeit, aber ich teile mir meinen
Tag sehr gern nach Stunden ein und habe gute
Erfahrung damit gemacht.
 
Ich achte darauf, immer in Form zu sein. Ich möchte immer
in Ordnung sein, genau wie ich es gern habe, daß mein
Auto in Ordnung ist, daß es nirgends den kleinen Defekt gibt.
 
Es fängt nicht mit dem Lernen des Textes an. Es fängt damit an, sich
in der Rolle vollständig unterzuordnen, sich in den Typ mit aller
Intensität hineinzudenken. Das bedeutet eine große
innere Anstrengung!
 
Wissen Sie, ich bin kein Genie. Ich muß sehr fleißig sein.
Ich muß mit meinem Kopf arbeiten. Ich bin ein Schauspieler,
der über die Dinge nachdenkt. Dazu brauche ich einen
Bereich in meinem Leben, der nur mir gehört
 
Rühmann führt Regie
 
Ein Film , den man inszeniert hat, ist viel mehr der eigene Film
als einer, in dem man die Hauptrolle spielt, und sei sie noch so groß.
 
Im Atelier habe ich in einer Ecke ein kleines Zelt stehen, wo ich mit
Drehbuch, Bleistift und Stoppuhr jede einzelne Einstellung
auf die Sekunde genau kontrolliere. Nur auf diese Weise
kann ich mit Sicherheit erkennen, wo im Fluß der Handlung
eventuell gerafft oder gestreckt werden muß. Nur so läßt
sich das wichtigste innere Gleichgewicht erreichen.
(Anfang der 60er Jahre)
 
Während es sonst um mich herum nicht still genug sein kann,
zu Hause oder auf Reisen, kann ich in meiner Kabause tief und
fest schlafen, während im Atelier geredet und gehämmert wird.
 
Rühmann über Zeitgenossen
 
(über Friedrich Basil:)
Mein Schauspiellehrer war eine imposante Erscheinung im
Münchener Kulturleben. Er verkörperte noch den Hoftheaterstil
mit rollendem Zungen-R.. Bei ihm nahm auch der Schriftsteller
Frank Wedekind Schauspielunterricht, und später hörte ich,
er habe Adolf Hitler in Gestik unterwiesen.
Zuzutrauen wäre es beiden.
 
(über Adele Sandrock)
Adele war eine Institution, die nicht übersehen werden konnte
und durfte. Sie liebte es, hofiert zu werden.
 
(über Hans Albers:)
Er war in seiner ganzen Art in vielem das Gegenteil von mir.
Er liebte das Bad in der Menge, er improvisierte gern und
konnte dadurch seine Partner gelegentlich ganz schön aus
dem Konzept bringen. Wenn es das Wort Volksschauspieler
nicht schon gäbe, für ihn hätte es erfunden werden müssen.
 
Kam er morgens ins Atelier, rief er Seid ihr alle da?
Worauf die Crew kräftig Ja rufen mußte, damit er
sagen konnte: Drum stinkt’s auch so!
 
Er war ein Naturereignis,. Als Mensch wie als Schauspieler.
Schwer, bei ihm die Grenze zwischen beidem zu ziehen.
 
(über Ilse Werner.)
Wir haben nie zusammen gespielt, aber oft miteinander gesprochen.
Ihre quirlige, kesse Art gefiel mir. Vielleicht, weil mir etwas davon abgeht.
 
(über Fernandel:)
Er war reizend und versprach vor jeder Aufnhme, bestimmt nicht
wieder so schnell zu sprechen und hielt sich auch daran.
Jedenfalls bei den ersten drei Worten.
 
In den Drehpausen erzählte er gern unanständige Witze, deren
Pointen mir übersetzt werden mußten, Mittags verschwand er oft als einziger,
um ausführlich zu dinieren. Auch wenn er dann leicht ermüdet war,
entging ihm nichts im Atelier. Stand eine Gruppe redend beieinander
war er auch schon da.
 
(über Heinrich Spoerl)
Der Schriftsteller Heinrich Spoerl und ich lagen der gleichen
Wellenlänge, deshalb gelang mir die Darstellung der von ihm
geschriebenen Figuren offenbar besonders.
 
(über Werner Krauß)
Mit Werner Krauß zu spielen war herrlich und - gefährlich!
Wer mit ihm auf der Bühne stand, mußte auf alles gefaßt sein.
 
(über Alec Guinness.)
Ein hervorragender Schauspieler , dessen Art zu spielen mir wieder
einmal bestätigte. Nichts machen, nichts machen!
 
(über Erich Ponto:)
Es war oft- und dafür bin ich den Theatergöttern dankbar- mein Partner,
und nicht selten vergaß ich weiter zuspielen , weil ich davon fasziniert
war, wie er es machte. Er machte nämlich gar nichts.
Er war unnachahmlich.
 
(über Hubert von Meyerinck. )
In so manchem Film haben wir nicht nur von einem Teller
gegessen, sondern auch hinterher die Suppe
gemeinsam ausgelöffelt.
Der Künstler und seine Publikum
 
Das Publikum und ich sind zusammen alt geworden.
Und nun gehören wir auch zusammen,
und das ist wunderbar.
 
Man kann mich auf dem Bildschirm im Alter von 30,
40,50,60, und 70 Jahren sehen. Das bedeutet,
daß sich fast jede Generation mit mir identifizieren
kann und es offenbar auch tut. Es ist, wenn Sie so
wollen, ein Sieg über die Zeit,
ein Sieg der Technik.
(1977)
 
Deshalb lasse ich mich auch nicht gern ungeschminkt
fotografieren. Nicht aus Eitelkeit. Ich will nur nicht,
daß viele Menschen meiner Generation plötzlich
erkennen, wie alt sie inzwischen geworden sind.
(1974)
 
Ich glaube sagen zu dürfen, daß ich mir viel Mühe
mache mit meinen Themen, meinen Rollen, und das
spüren die Menschen. Das mag dazu beitragen, daß
die Menschen sich in mir wiedererkennen. Daher
kommt es wohl auch, daß die Post, die ich erhalte,
aus allen Schichten, allen Altersgruppen der Bevölkerung
kommt, von den Acht, bis zu den Achzigjähren.
 
Ich bekomme viele Briefe, in denen die Menschen
fragen, ob sie bestimmte Dialoge richtig verstanden
haben. Andere bitten um Textstellen, um ausführlich
darüber diskutieren zu können. Solche Anstöße geben
zu können, bedeutet für mich als Schauspieler
Erfüllung.
 
Ich bekomme Liebesbriefe von alten Damen.
Und so was freut einen doch sehr.
 
Da spürt man plötzlich eine ungeheure
Verantwortung, wenn die Leute einem ihre
persönlichen Dinge anvertrauen. Ich fühle dann
Daß sie meine menschliche und künstlerische
Entwicklung verstanden haben.
Aber , was soll ich ihnen sagen?
 
Ich bekomme zum Beispiel viele Briefe, in denen mir
die Menschen einen schönen Lebensabend wünschen.
Was soll das? Ich will keinen schönen Lebensabend.
Ich will arbeiten. Als Schauspieler kann man nicht
einfach in Pension gehen.
(1985)
 
Das Publikum weiß ja nicht, wie schwer es mir fällt,
immer wieder das alte Klischee zu spielen. Meist
versuche ich ja schon, etwas mehr in eine Rolle
hineinzutun als nur den lieben Onkel Heinz.
(1972)
 
summa Summarum, künstlerische Bilanz
 
Ein alter Lehrer von mir hat mir auf der Schauspielschule
gesagt: Wenn Ihnen in fünf Jahren kein Knopf aufgeht,
dann lassen Sie die Finger vom Theater! Nun inzwischen
habe ich gelernt: es gibt sehr viele Knöpfe im Leben,
die einem aufgehen müssen.
(1968)
 
Denke ich heute an die Theater zurück, an denen ich
gespielt habe, sehe ich jedes noch vor mir. Mehr oder
weniger deutlich, je nachdem, wie wohl ich mich in
den einzelnen Musentempeln gefühlt habe.
 
In den ersten Jahren bin ich wohl populär geworden,
weil ich hemmungslos drauf los gespielt habe.
Gottseidank hat sich mein Rollenbereich geändert.
(1980)
 
Ich habe viel gearbeitet, manchmal vielleicht zuviel.
Und so sind Sachen dabei, für die ich mich einfach
ein bisschen geniere.
 
Ich habe mich lange gegen ein Wiedersehen mit
alten Filmen gesträubt. Es kann so entlarvend sein.
Der Erfolg von einst erscheint bei späterer
Betrachtung nicht selten als mit zu äußerlichen
Mitteln erkauft. Mann wird kritischer
mit den Jahren.
 
Daran erinnern sich nur noch wenige,
daß ich damals nach meinem Start in
Die drei von der Tankstelle, wahllos einen
Läppischen Film nach dem anderen drehte,
bis die Zuschauer die Nase voll hatten uns
man mich links liegen ließ.
 
Ich habe viele schlechte Filme gedreht
weil ich unbedingt ein Flugzeug kaufen wollte.
 
( Über die Zeit nach der Pleite seiner eignen Filmgesellschaft:)
Früher habe ich es mir leicht gemacht. Ich war nur auf
die Wirkiung aus, auf Lacher , auf Szenenapplaus.
Ich bin einen sehr einfachen Weg gegangen, den meine
erste Frau Maria immer versuch hat, mir auszureden.
Aber dann , nach dieser bitteren Enttäuschung,
habe ich angefangen, ganz anders Theater zu spielen,
unter Verzicht auf alle oberflächlichen Effekte und
unter Verzicht auf die Pointe, die oft viel stärker wirkte,
wenn man sie ausließ. Da habe ich die leisen Töne entdeckt.
 
Bei jedem meiner Filme, habe ich darauf geachtet, daß
es zumindest eine Szene gibt, die das Innerste der
Menschen so bewegt, daß sie noch nach Wochen und Jahren
sich dran erinnern können, wie zum Beispiel das Gespräch
mit dem todkranken Mädchen im
Hauptmann von Köpenick.
 
Früher war das Unterhaltende eine Spezies von mir.
Heute will ich Dinge zeigen, die es wert sind,
ausführlicher darüber nachzudenken. Ich will
Stoffe bringen, welche über die Zwei-Stunden-Dauer
eines Stückes nachwirken. Jeder Schauspieler sollte
versuchen Denkanstöße zu vermitteln.
Denn er kann wie kaum einer
eine Vielzahl Menschen erreichen.
(1979)
 
Die Routine vieler Theaterjahre, gespaart mit Reife,
lassen mir heute einiges in den Schoß fallen.
Dadurch habe ich in der Darstellung Zwischentöne
erreicht, die ich immer anstrebte. Deshalb arbeite
ich noch. So wie es jetzt ist, macht es ganz
einfach Spaß.
(1979)
 
Ich glaube heute, diesen Weg richtig gegangen zu
sein, indem ich die vorerst unbewußte
komische Wirkung durch bewußt Schauspielerische
Mittel zu steigern und zu kultivieren suchte.
Wenn man fast fünfzig Jahre vor der Kamera
gestanden hat, weiß man: allein kann man nicht
Theater spielen, auch nicht im Film.
 
 
Nicht, wer am lautesten lacht ...
 
Humor ist Gemüt. Humor kann man nicht lernen.
Darum ist er auch so selten.
Das steht schon bei Curt Goetz.
 
Ich bin der Ansicht, daß ein Schauspieler, der über die
Fähigkeit verfügt, den Humor durchblicken zu lassen.
Oder die komischen Seiten eines Menschen im
richtigen Sinne , wie die des Loman, des Voigt
sichtbar zu machen, dem Publikum mehr mit nach
Hause geben kann, als wenn man den ganzen Abend
nur in bitter ernste Dinge einpackt.
(1975)
 
Nur wer zwischen Komik und Humor unterscheiden
kann, wer weiß, das Humor und Lächeln
zusammengehören, so wie Komik und Lachen
sich ergänzen, nur der kann die Gratwanderung
des Komödiespielens und Inszenierens bestehen.
 
Entscheidend ist, daß jemand
über sich selbst lachen kann.
 
Man kann Humor nicht auftragen wie auf einem
Servierteller. Der Ton macht die Musik,
und der Resonanzboden muß das Herz sein.
 
(über seinen damals sieben Monate alten Enkel)
Komisch ich bin der einzige, bei dem
das Baby immer sofort lächelt.
(1978)
 
Rühmann ganz privat
 
Was in unserer Zeit immer schlimmer geworden ist
und was mich stört, ist der Lärm, das Laute.
Ich bin ein Anhänger der Stille. Ich finde,
die Stille ist etwas Wunderbares.
 
Ich war nie ein Star zum Anfassen, ich brauche die
Distanz. Deshalb habe ich mein Privatleben stets
bedeckt gehalten. Solange es Wohnungen gibt und
Schlüssel, um sie abzuschließen, hat man das gottlob
einigermaßen selbst in der Hand.
 
Also, diese Tarnkappe aus dem Märchen,
die hätte ich wirklich ganz gern.
 
Ich mag nichts weniger als Oberflächlichkeit,
eben dieses Blabla, das auf Parties geredet wird.
Und ich mag es, wenn Menschen Verstand haben,
wenn sie die Dinge natürlich sehen, nicht verschroben,
sind und über Intelligenz verfugen.
 
Ich hatte niemals Angst vor Vereinsamung. Nach dem
Tod meiner Frau wollte ich es nicht anders. Ich wollte
nur in meinem Haus sein, nachdenken, diese Dinge
mit mir allein abmachen. Weiter nichts.
 
Ich bin gar kein trauriger Mensch.
Das erscheint oft nur so.
(1974)
 
Damals ist bei mir eine Klappe runtergegangen, und
die mache ich auch nicht mehr auf.
(1978)
 
Tagelang konnte ich das Haus nicht verlassen, weil
die Straße so belagert war. Bei Nacht mußte ich mich
zum Friedhof schleichen. Um einmal ungestört am
Grab zu stehen. Das Menschen einem sowas antun können.
 
Man kann nicht den ganzen Tag lachen.
Es bleibt einem nicht viel privater Raum
in unserer Welt.
(1968)
 
Ungesellig war ich nie. Aber wenn ich heute einen
Tag mit schwierigen Dreharbeiten vor mir habe,
einen Flug oder ein großes Golfspiel, sann muß ich
mich schon ein wenig zurückhalten. Früher war das
natürlich anders.
(1978)
 
Ich kann nicht einkaufen, ohne angesprochen zu
werden. Ich kann auf keinen Markt gehen, ohne daß
es Aufsehen gibt. Ich kann nicht was ich sehr gern
täte auf einer Bank oder in einem Straßencafe
sitzen und stundenlang die Menschen beobachten.
Nie ungehemmt sein, nie ganz entspannt, nie einer
von allen.
 
Heute suche ich die Einsamkeit, das Alleinsein.
Weil ich inmitten anderer nie mehr einer von vielen
sein kann.
(1974)
 
Ich werde nicht über mein Leben schreiben, vielleicht
veröffentliche ich Briefe, die an mich geschrieben
wurden, und mache Anmerkungen dazu.
(1968)
 
( Zum Erscheinen seiner Autobiographie: )
Erinnerungen zurückzurufen das ist wie das Leben
selbst: manchmal sehr fröhlich,
aber oft auch sehr traurig.
(1982)
  
Der Mensch und die Politik
 
Man kann heute nicht mehr unpolitisch sein
die Politik wird einem ins Haus getragen.
(1973)
 
Da erzählten uns die Politiker, wie gut es uns geht,
daß wir Europäer im längsten Frieden leben,
den dieses Jahrhundert je kannte, aber anderswo
werden die Menschen noch weiter totgeschossen.
Auf diesem Globus herrscht Krieg, seit Jahrzehnten.
Wir sehen zu , hilflos, ratlos.
(1989)
 
Ich bin der Meinung, ein Schauspieler ist für alle da.
Außerdem finde ich, daß man in der Politik die
Emotionen soweit wie möglich zurückdrängen sollte.
Ich möchte , daß sich die Menschen selbst Gedanken
machen über die Partei, die sie wählen, und ich möchte
Diese Entscheidung nicht beeinflussen.
(1973)
 
Früher ging ich stets den Weg des geringsten
Widerstandes.
(1968)
 
Wir lebten, als ginge uns alles um uns herum nichts
an. Es war Vogel Stauß Politik, ich weiß. Ich zechte
und flog mit Udet um die Wette, wobei ich in beiden
Disziplinen jeweils den kürzeren zog. Vielleicht waren
wir so übermütig, weil wir mehr und mehr erkennen
mußten, wohin der Hase lief.
 
Was soll ein Mensch, der das Leben liebt, in dieser
Zeit tun? Resignieren? Ich habe ebenso wie die mir
Befreundeten Kollegen versucht, auf anständiger Weise
mein Leben zu führen, möglichst ohneviel
Kompromisse.
 
Wenn ich an jene Zeit zurück denke, darf ich zu
meiner Beruhigung sagen, daß ich keinen Fim
gemacht habe, dessen ich mich gesinnungsmäßig zu
schämen hätte. Ich habe in keinem Film mitgewirkt,
der parteipolitisch Tendenzen vertrat.
Das war gar nicht so leicht, wie man heute glauben
möchte,
denn Goebbels, der Schirmherr des Films und seine
Reichsfilmkammer, wachten über unser Tun und Treiben.
 
Ich habe damals mit rasch hingewofenen Worten
die Gefahr bagatellisiert. Es war meine Überzeugung,
daß dieser Spuk rasch verfliegen werde.
Ich war Schauspieler, sonst nichts.
 
Ich habe das nicht verdient, daß ich so oft denunziert
worden bin in der früheren Zeit. Ich habe niemandem
etwas getan.
(1992)
 
 
Gedankensplitter
 
Lächeln ist das Kleingeld des Glücks.
 
Ich glaube, je älter ich werde, an Schiksal,
nicht an Zufälle. So wie Albert Schweizer:
der Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott sich
zugelegt, wenn er unerkannt bleiben möchte.
 
All jenen, die das Schicksal hartherzig gemacht hat,
darf ich einen Satz zurufen, den ich zum ersten Mal
von meiner Frau gehört habe: Schenke, vergiß es,
und es wird zu dir zurückkommen.
 
Ich bin dem Leben dankbar. Nicht nur für alles, was
ich erreicht habe, auch für die Senken, in die es mich
geführt hat. Das Leben ist zwar ein Geschenk, aber
auch eine Vorauszahlung für alle Sorgen und Probleme,
mit denen man fertigwerden muß. Das habe ich bei
Knut Hamsun gelesen. Er drückt das aus, was ich empfinde.
 
Keulen sind als Vernichtungswerkzeuge etwas aus der Mode.
Aber das Schicksal bedient sich ihrer noch.
 
Erst im Alter begreift man,
was das Wort Freund bedeutet.
 
Die Erinnerung ist das einzige Paradies,
aus dem man nicht vertrieben werden kann.
 
Die Jungen sollten den Alten ebensoviel Toeranz
entgegenbringen wie ihren Freunden. Die Alten
sollten nicht so schnell vergessen, wie kühn sie
selbst seinerzeit waren. Das wäre für beide Teile
der Mühe wert.
(1979)
 
Gott besucht uns oft nur sind wir selten zu Hause.
 
Mein wichtigstes Lebensmotto war immer: Treue.
Auch mir selbst gegenüber.
 
Fleiß, Anständigkeit, Bescheidenheit, und daß man
den Hut in die Hand nehmen kann. Da sind alles so
oft mißverstandene Worte, aber ich bin eben ein oller
Konservativer.
(1982)
 
Glauben Sie keinem Schauspieler, der behauptet,
er läse keine Kritiken!
 
Von dem Spruch , wer probt, hat Angst
halte ich gar nichts.
 
Existenzangst ist Gift für einen Schauspieler.
Komisch muß man sein, und die Komik
braucht immer Tragik als Hintergrund.
 
Nichts nutzt sich so schnell ab wie das Gesicht
und der Ruhm eines Schauspielers.
 
Sorgen ertrinken nicht im Alkohol.
Sie können schwimmen.
 
Vielleicht klingt es banal, aber es lohnt
sich, an das Gute zu glauben.
 
Wenn Ich mir was wünschen dürfte
 
Ich bin von Hause aus ein Romantiker. Deswegen
hätte ich gern zur Zeit Mozarts gelebt. Oder auch im
Mittelalter. Ich hätte gern auf einer Burg gelebt und in
einer Postkutsche große Reisen unternommen.
 
Ein Journalist hat mich einmal gefragt, was ich
außer Schauspieler am liebsten geworden wäre,
ich habe ohne Zögern gesagt: Arzt. Das Bedürfnis,
meinen Mitmenschen zu helfen.
 
Wie oft habe ich mir gewünscht, ein und dasselbe
Stück mit denselben Schauspielern in denselben
Dekorationen von zwei verschiedenen Regisseuren
inszeniert sehen zu können. Wunschträume.
 
Ich möchte etwas Anspruchsvolles spielen, nicht
unbedingt einen Schwank, wobei man das nicht
unterschätzen sollte, sondern etwas mit Hintergrund,
wobei man sich etwas denken muß.
(1973)
 
Ich habe eigentlich alles gespielt, was ein
Schauspieler nur spielen kann in einem langen Leben.
Aber eine Rolle wäre da noch, für so manchen
Schauspieler bildet sie eine Krönung seiner Laufbahn:
Das ist der Narr in Shakespeares König Lear.
Vielleicht, daß ich ihn eines Tages doch noch.
(1987)
 
Ich gebe gern zu, daß ich manche Themen und Dinge
Nicht beherrsche, und ich möchte mich da, so komisch
Es klingt, weiterbilden. Ich möchte noch so vieles mehr
Wissen, ehe ich eines Tages abtrete.
 
In weiter Ferne so nah
 
Die Zeit läuft immer schneller. Die Tage
werden kürzer. Im Jahr und im Leben.
 
Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Was war,
war. Unwiederbringlich . Das Leben ist da anders.
Es ist ein ständiges Nehmen und Geben zwischen uns
Älteren und den nachfolgenden Generationen.
Was war, wird neu durchs Weitergeben.
 
Auch ich bin im Alter stiller geworden. Stiller, aber
nicht einsam! Die Zeit ist zu kostbar, um sie mit
falschen Dingen zu verschwenden.
 
Wie gut, daß die Ungeduld der Jugend vorbei ist. Mit
achtundsiebzig sieht man die Dinge anders. Da
konzentriert man sich nur noch auf die wesentlichen
Dinge des Lebens. Man will noch ein kleines
Stückchen arbeiten und ein kleines Stückchen
leben. Leben ist so wichtig geworden, wenn man alt wird.
 
Als junger Mensch störte mich die vordergründige
Heiterkeit nicht. Die Hauptsache war, die Leute
amüsierten sich. Heute bin ich glücklich, wenn sie
mitten aus dem Lachen heraus ganz still werden.
 
Es kann so schön sein, alt zu werden, das Gefühl zu
haben, das fast schon ein Glück ist, mehr von jenen
Dingen zu wissen, an die man früher nicht einmal
gedacht hat. Weil man angeblich keine Zeit hatte.
 
Auch die Welt um mich herum hat sich verändert.
Heute sehe ich eine Blume anders. Ihre vollkommene
Zartheit wird mir erst jetzt so recht bewußt. Der
Sternenhimmel bedeutet mir mehr, viel mehr als
früher. Ich erschrecke bei dem Gedanken, wie weit
die Unendlichkeit reicht, und frage mich, was wohl
hinter der Unendlichkeit kommt.
 
Im Alter liebt man die Kleinigkeiten, heißt es
die liebte ich aber immer, ich weiß, wieviel
Kleinigkeiten bedeuten, und ich glaube, daß ich
noch etwas zu sagen habe. Eine Kleinigkeit kommt
zur anderen.
(1968)
 
Erfüllte Wünsche bedeuten Stillstand. Solange wir
Leben, müssen wir unterwegs bleiben.
 
Ich bin dem lieben Gott dankbar, daß er mich so alt
werden ließ. In den letzten Jahren habe ich Dinge
erlebt, die ich so noch nicht kannte.
 
In meinem Alter muß man immer daran denken, daß
dies der letzte Film sein kann, mit dem man den
Menschen in Erinnerung bleibt. Und das sollte nichts
Belangloses sein.
(1994)
 
Ich glaube nicht, daß mit dem Tod alles aus ist.
Dieser wunderbare menschliche Körper, dieses
so unendliche komplizierte System, unsere Seele.
Unsere Phantasie, unsere Gedanken alles nur
für ein einmaliges kurzes Erdenleben? Nein,
das glaube ich nicht. Kein Schöpfer wäre so
verschwenderisch. Wir verlassen die Erde.
Aber wir kommen wieder.
(1985)
 
(auf die Frage von Werner Höfer:
Wie geht es ihnen denn, Herr Rühmann?)
Danke gut. Aber das werde ich jetzt häufiger gefragt
als früher. Daran merkt man, daß man älter wird.
Besonders merkt man das, wenn man gefragt wird,
wie geht es ihnen denn?
(1980)
 
Ich bin nicht mit Absicht 90 geworden. Ich habe nichts
unternommen, es unbedingt zu werden. Ich habe halt
so gelebt, wie ich immer gelebt habe. Manchmal kann
ich mein Alter selbst nicht glauben. Mein Leben war
schön, ich bin zufrieden, und ich würde nichts
anders machen.
(1993)
 
Es gibt ein sehr schönes Gedicht, darin heiß es:
Die Tur des Todes steht immer offen. Der Tod wäre
also für mich keine große Überraschung.
 
Ich bin bereit. Ich habe keine Angst vor der letzten
Klappe. Die Geburt und der Tod sind das Natürlichste
auf der Welt.
(1985)

 

 
Aus dem Buch :
Heinz Rühmann - Gedanken & Zitate
von Edith Jeske
Verlag Leib & Seele
ISBN 3-906715-08-6
 
 
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