1961-1994

1961 wurden Heinz Rühmann der Preis der Deutschen Film-Kritik sowie der Bundesfilmpreis mit dem Filmband in Gold und der Golden Globe (Preis der Auslandspresse in den USA/für seine Darstellung des Schwejk) verliehen.

1962, 1963 und 1964 folgten jeweils der Goldene Bambi als beliebtester Schauspieler.

1964 machte Heinz Rühmann einen Seitensprung - nein, nicht was Sie denken - er drehte in Hollywood. "Das Narrenschiff" wurde von Stanley Kramer produziert. Drei Monate Amerika mit Frau und Sohn standen auf dem Programm. Sohn Peter reiste vorzeitig aus Kalifornien ab und machte - zur großen Freude seines Vaters - heimlich den Flugschein.

1966 bekam Heinz Rühmann das Grosse Bundesverdienstkreuz, den Goldenen Bambi als beliebtester Schauspieler und den Silbernen Bildschirm der Zeitschrift TV Hören und Sehen.

1967 gingen die Auszeichnungen weiter: Goldener Bildschirm der Zeitschrift TV Hören und Sehen und Goldener Bambi als beliebtester Schauspieler.

Im gleichen Jahr geriet Heinz Rühmann wieder an Fritz Kortner. In den Kammerspielen sollte "Die Zimmerschlacht" mit Rühmann als Ehemann gespielt werden. Es wurde aber eine wirkliche Schlacht. Rühmann und Kortner kamen auf keinen gemeinsamen Nenner und Rühmann gab die Rolle ab. Aber der Intendant der Kammerspiele, August Everding, besuchte Rühmann in Grünwald und überredete ihn zu einer Aussprache mit Kortner. Diese Aussprache fand in Kortners Wohnung statt. Rühmann sagte Kortner gehörig seine Meinung, bevor dieser sagte: "Das hat mir noch niemand gesagt." und nach einer Pause "wir sollten es doch noch einmal zwei Probetage lang miteinander versuchen." Rühmann sagte zu, aber nach den zwei Tagen war die Quälerei zu Ende. Die Inszenierung hätte sowieso nicht geklappt. Heinz Rühmann musste wochenlang ins Krankenhaus.

1968 folgten die gleichen Auszeichnungen wie 1967. Im gleichen Jahr wechselte Heinz Rühmann vom Film zum Fernsehen. Seine erste Rolle war  der Willy Loman im "Tod des Handlungsreisenden".

1969 wurde Heinz Rühmann mit dem Goldenen Bambi als beliebtester Schauspieler ausgezeichnet.

Im August 1969 wohnte Heinz Rühmann in Grünwald bei München. Im gleichen Jahr kauften sich die Rühmanns ein Haus in Frankreich, am Cap Ferrat. Heinz Rühmann spricht seiner Frau, die an Krebs erkrankt ist, immer wieder Mut zu.

Am 01.11.1970 starb Hertha Feiler an Krebs. Heinz Rühmann zog sich danach zunächst aus der Öffentlichkeit zurück.

1971 wurde Heinz Rühmann mit dem Goldenen Bambi als beliebtester Schauspieler ausgezeichnet.

1972 bekam Heinz Rühmann die höchste Ordensauszeichnung der Bundesrepublik, das Grosses Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband und nebenbei auch noch den Goldenen Bambi als beliebtester Schauspieler. Am 03.07. wurde Heinz Rühmann zum ersten Mal Großvater: Enkelin Claudia erblickte das Licht der Welt.

Zur Wiederaufführung des "Hauptmann von Köpenick" im Jahre 1972 besuchte Heinz Rühmann zum ersten Mal das Rathaus (Berlin-Ost).

1973 folgten weitere Auszeichnungen: Die Goldene Leinwand des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater und den Goldener Bambi als beliebtester Schauspieler. Auch durfte Rühmann bei Stars in der Manege einen Clown mimen.

Am 09.10.1974 heiratete Heinz Rühmann zum dritten Mal. Seine "neue" Frau hieß Hertha "Herthi" Droemer. Die Hochzeit fand ganz geheim auf Sylt statt. Niemand erfuhr bis heute Einzelheiten. Kennen gelernt hatte Heinz Rühmann seine Herta beim Golf spielen. Im gleichen Jahr wurde Enkelin Melanie geboren. Allerdings gab es in der Familie Rühmann zu dieser zeit einen Bruch. Sohn Peter, Professor der Arbeitswissenschaften, forderte seinen Erbteil: Das Grünwalder Haus, Hertha Feilers Haus.

1975 machten Heinz Rühmann und Hertha eine Woche Schneeurlaub. Heinz Rühmann erhielt das Angebot, an Silvester 1975 und Neujahr 1976 den "Frosch" in der Fledermaus in Wien zu übernehmen. Im Herbst wollte Rühmann den Vertrag aufkündigen, weil er als erster Deutscher diese Rolle hätte sprechen sollen, lies sich dann aber doch überreden, den Vertrag zu erfüllen.

1976 wurde Heinz Rühmann zum dritten Mal Großvater - Enkel Peter wurde geboren.

1977 erhielt Heinz Rühmann den mit 15.000 DM dotierten kulturellen Ehrenpreis der Stadt München. Im gleichen Jahr ließ das Bezirksamt Berlin-Neukölln eine Silbermünze mit Rühmann als Hauptmann von Köpenick prägen.

Von 1977 bis 1993 las Heinz Rühmann in der Hamburger St. Michaeliskirche, besser bekannt als der Michel, Weihnachtsgeschichten. Rühmann setzte nicht auf aufgesetzte Schnörkel, das Wort des Dichters stand im Mittelpunkt. Einfühlsam und leise fließen die Worte, aus denen - unmerklich fast - eine Melodie schwingt. Es klingt einfach, so selbstverständlich, dass man erst nach mehrmaligem Hören ahnt, wie viel Kunst und Können notwendig sind, um so natürlich zu sprechen. Jeder der Texte ist ein Beispiel dafür, dass Sprechen mehr sein kann als bloßes Mitteilen.

1977 wurde ein großer Traum Heinz Rühmanns wahr: Er durfte im Zirkus Krone ein großes Clown-Solo darbieten.

1978 wurde Heinz Rühmann Vorsitzender des Vereins zur Förderung Münchener Kammerspiele e.V. und bekam den Goldenen Bambi als beliebtester Schauspieler.

1979 folgte die Goldene Kamera der Zeitschrift HÖRZU, 1980 die Goldene Verdienstmedaille der Luftrettungsstaffel Bayern.

1980 ging ein großer, nein: der größte Traum von Heinz Rühmann in Erfüllung: Als Clown mit Oleg Popov im Zirkus Krone.

mit freundlicher Genehmigung des Fotographens Alfred A. Haase, München
und der Abendzeitung München
mit freundlicher Genehmigung des Fotographens Alfred A. Haase, München
und der Abendzeitung München

1980/81 drehte Rühmann dann wieder in den USA : "Ein Zug nach Manhattan". Rühmann spielte einen jüdischen Kantor. Spätestens durch diesen Film ist der Vorwurf, Heinz Rühmann sei ein Nazi gewesen, widerlegt. Was meinen Sie, wie die Juden der ganzen Welt reagiert hätten, wenn ein Nazi einen Juden gespielt hätte.

1981 bekam Rühmann die Silbermedaille des 24. Internationalen Film- und TV-Festivals of New York für "Der Zug nach Manhattan".

Am 09.12.1981 wurde Heinz Rühmann der Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst der Landesregierung München verliehen. Diese Auszeichnung gab es nach neunjähriger Pause erstmalig wieder.

1982 zogen die Rühmanns nach Berg am Starnberger See. Der Umzug war Folge eines Streits mit seinem Sohn Peter, inzwischen Professor für Arbeitswissenschaft in München, der in das Grünwalder Haus zog.

Im gleichen Jahr, in dem auch seine Biographie "Das war's" erschien, bekam Heinz Rühmann die Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München und den Silbernen Chaplinstock des Verbandes Deutscher Filmkritiker. Im Sommer des Jahres gab Heinz Rühmann schweren Herzens seine Fluglizenz zurück, obwohl er immer noch voll flugtauglich war - aus Liebe zu seiner Frau.

1984 bekam Heinz Rühmann den Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst der Landesregierung München und den Goldenen Bambi für seine Gesamtleistung.  Im selben Jahr unterzog sich Heinz Rühmann einer Prostata-Operation.

1985 wurde er mit der Jaroslav Hasek-Medaille des tschechischen Filmes ausgezeichnet, ein Jahr später mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises.

1986 erschien der Bildband "Heinz Rühmann - Ein Leben in Bildern". Herausgeber Manfred Barthel berichtet im Vorwort darüber, dass Heinz Rühmann bei einigen Bildern überredet werden musste, der Veröffentlichung zuzustimmen, weil : "Er hielt sie für zu persönlich, zu privat."

Im Dezember 1986 musste sich Heinz Rühmann einer Leistenoperation unterziehen. Er litt an einen doppelten Leistenbruch. "Dank Herthas liebevoller Pflege habe ich mich ziemlich schnell erholt." sagte er später.

1987 wurde Rühmann durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker geehrt. Mit Hertha machte er eine Mittelmeer-Kreuzfahrt und eine dreiwöchige Aslan-Kur im sauerländischen Ohlsberg. Rühmann: "Das Glück des Alters bedeutet, die Zartheit des kleinsten Frühlingsblümchens in ihrer anrührenden Vollkommenheit zu erkennen."

Am Abend des 16.12.1988 las Rühmann in der Bonner Kreuzberg-Kirche die Kurzgeschichte "Weihnachten" von Felix Timmermanns. unter den Gästen war auch Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Am 16.11.1989 folgte die Auszeichnung mit dem Professorentitel durch den Ministerpräsidenten des Landes NRW, Johannes Rau.

1990 bekam Heinz Rühmann die Goldene Berolina, ein Jahr später erneut den Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst der Landesregierung München.

Im Sommer 1991 starb  Rühmanns ungarischer Hirtenhund "Arpad" mit 16 Jahren an Altersschwäche. Zwischen Heinz Rühmann und Sohn Peter hat es eine Aussprache gegeben. Die Streitigkeit, das Zerwürfnis,  schien beigelegt. Schwiegertochter Marion und Peter sollen sehr lange gebraucht haben, um Heinz Rühmanns neue Frau und sein neues Glück zu akzeptieren.

1992 wird Rühmann 90 Jahre alt und hat nur einen Wunsch: "Es soll alles so bleiben, wie es ist." Das ZDF veranstaltete Rühmann zu Ehren eine große Gala im Prinzregenten-Theater in München. Unter den Gratulanten waren Gyula Trebitsch und Tochter Katharina, Loni von Friedl (Tochter Rühmanns in "Der Schulfreund"), Max Schmeling (seit 60 Jahren mit Rühmann befreundet.) Bundeskanzler Helmut Kohl und dessen Ehefrau Hannelore, Bernhard Wicki, Helmut Fischer, Peter Alexander, Willy Millowitsch und viele andere. Nur Rühmanns Sohn Peter und seine Frau Marion sowie deren Kinder Melanie und Peter standen den ganzen Abend ein bisschen Abseits. Der dritte Rühmann-Enkel, Claudia Rühmann, war gar nicht da.

Am 17.03.1992 erlitt Heinz Rühmann einen Schwächeanfall und  wurde  in der Münchner Uni-Klinik operiert; eine alte Leistenoperationsnarbe wurde angeblich entfernt. Freunde befürchteten einen schlimmeren Eingriff: "Damit hätte man gewartet, bis sich Herz und Kreislauf wieder stabilisiert haben."

1993 kam die Neuaufnahme mit Cinematic des Erfolgliedes LaLeLu bis unter die ersten 10 Plätze in der Top-100.

Im Dezember schenkten Nachbarn Heinz Rühmann zu Weihnachten einen Mischlings-Dackel namens "Anatol", 10 Monate alt.

Am 15.01.1994 trat Heinz Rühmann zum letzten Mal im TV auf. Im ZDF, bei "Wetten, dass ... ?" mit Thomas Gottschalk sagte er : "Ich hatte Angst vor dem Alter - doch es lohnt sich ..."

Am 07.03. wird Rühmann 92 Jahre. Allein mit seiner Frau Hertha wollte er den Tag begehen. Rühmann sagt heute: "Heute rieche ich eine Rose anders als früher." Sohn Peter und Schwiegertochter Marion sind zum Kaffee eingeladen. Bestseller-Autor Siegfried Fischer-Fabian kam am Vormittag und brachte dem Geburtstagskind einen Strauß Veilchen, Rühmanns Lieblingsblumen.

Im August/September 1994 stieg die Angst um Heinz Rühmann. Seit Tagen verließ er sein Haus nicht mehr; sagte die Verleihung einer goldenen Schallplatte ("LaLeLu") ab; Enkelin Melanie nahm sie entgegen.

Im September/Oktober 1994 gab es letzte Bilder. Sie zeigten einen Heinz Rühmann im Rollstuhl. Er hatte sich wieder leicht erholt, wusste aber, dass der Winter nahte.

Am 03.10.1994, gegen 20:30 Uhr schloss Heinz Rühmann in Aufkirchen am Starnberger See, Klosterweg 29, seine Augen für immer. Nach Rühmanns Tod bleibt sein Leichnam noch 26 1/2 Stunden zu Hause, bevor er am 04.10. um 23:00 Uhr in einem Sarg aus dem Haus getragen wird. Am gleichen Abend noch erfolgte die Einäscherung.

Ganz Deutschland erfuhr erst zwei Tage später, am Mittwoch, vom Tode des besten Schauspieler des letzten Jahrhundert. Fast jeder zeigt sich betroffen. Hier ein paar Stimmen zu Rühmanns Tod: Roman Herzog (damals Bundespräsident): "...Ein unvergleichlicher Schauspieler, der vielen Menschen Vergnügen bereitet, aber auch in ernsten Rollen Bleibendes geleistet hat...." - Hans-Joachim Kulenkampff (TV-Profi): "Heinz Rühmann liegt jenseits der Neid-Grenze." - Helmut Fischer ("Monaco"-Franze): "Der einzig wirkliche Star unter uns ist doch der Heinz Rühmann." Thomas Gottschalk (TV-Profi): "...Er wurde gehört, ohne laut zu sein, er wurde geachtet, ohne sich wichtig machen zu müssen. ..."

Am 30.10.1994 wurde die Urne Heinz Rühmanns auf dem Dorffriedhof in Aufkirchen beigesetzt. 7 Lorbeer-Bäume bewachen das Grab, das nur 500 Meter von seiner Villa entfernt ist.

Foto: Stefan Friedrich
Heinz Rühmanns Grab

1995 wurde Heinz Rühmann in memoria mit der GOLDENEN KAMERA für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Ein Jahr nach Rühmanns Tod wohnt die Witwe nach wie vor in jenem Haus, in dem sie mit Rühmann so glücklich war: "Denn hier lebe ich doch eigentlich mit meinem Mann weiter. ich kann mir nicht vorstellen, jetzt woanders zu sein. Wir hatten doch so eine enge Verbindung - man hat doch das Gefühl, der andere findet einen dann nicht mehr."

1997 erwarb das Land Berlin die Erinnerungsstücke an Heinz Rühmann mit Mitteln der Klassenlotterie zu einem nicht genannten Preis. Der Berliner Filmproduzent Artur Brauner sowie die Studiotour Babelsberg und die Transit-Film München unterstützten den Ankauf.

© 2004 Michael Knoke
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