Heinz Rühmann und das Dritte Reich

Nun komme ich zu einem Bereich, den man sehr sensibel angehen sollte. Viele beschuldigten Heinz Rühmann nach dem Untergang des Großdeutschen Reiches, ein Nazi gewesen zu sein. Aber war er das wirklich? Ich versuche diese Frage zu beantworten.

Heinz Rühmann soll nicht immer unpolitisch gewesen sein. Am 10.04.1932 kam es in der Weimarer Republik zu einem zweiten Wahlgang bei der Reichspräsidentenwahl. Der amtierende Reichspräsident von Hindenburg (wurde von der SPD und dem Zentrum unterstützt), der NSDAP-Kandidat Adolf Hitler und der KPD-Mann Ernst Thälmann standen zur Wahl. Rühmann engagierte sich in diesen Tagen und warf Flugblätter aus seiner Klemm 25 heraus über den heiß umkämpften Arbeiterbezirken Neukölln und Wedding ab. Es waren Flugblätter der demokratischen Kräfte, also unterstützte er von Hindenburg. Wahrscheinlich ist die Geschichte erfunden. Am 05.02.1946 rief Walter Franck, ein ehemaliger Produktionsleiter der Terra-Film, in der Kammer der Kulturschaffenden an und berichtete über diesen Flug. Wollte der Rühmann-Mitarbeiter seinen ehemaligen Star aus Gefälligkeit entlasten? Oder hat der Flug wirklich statt gefunden? Keiner weiß es bis heute.

Im Juli 1933 wurde die Reichsfilmkammer (RFK) gegründet. Präsident wurde Joseph Goebbels. Jeder Schauspieler, der eine Zulassung von den Nationalsozialisten bekommen wollte, musste Mitglied bei deren Unterorganisation - durch das Reichskulturkammer-Gesetz vom 22.09.1933 - Reichsfachschaft Film (RFF) werden. Auch Heinz Rühmann wurde Mitglied (05.10.1933, Mitgliedsnummer 1357). Rühmann trägt bei der Frage nach einer Mitgliedschaft in der NSDAP oder der NSBO ein, dass er Mitglied im "Kampfbund für Deutsche Kultur" sei. 1946 gibt Rühmann im Entnazifizierungsprozess hierzu an, dass er den Eintrag vorgenommen habe, weil er dachte, nicht aufgenommen zu werden, wenn er keiner nationalsozialistischen Organisation angehöre, vor allem, da seine Frau Volljüdin war. Eine Mitgliedschaft bestreitet er aber in einer eidesstattlichen Erklärung. Wann Rühmann die Wahrheit angegeben hat (1933 oder 1946) konnte der damalige Ausschuss nicht mehr abschließend feststellen.

1934 wechselte Heinz Rühmann von Heinz Hilpert zu Gustav Gründgens. Als Grund schreibt er in "Das war's": "Für meine jüdische Frau hatte ich an Hilperts "Deutschem Theater" nicht mehr ausreichenden Schutz, da es Goebbels und seinem Propagandaministerium unterstellt war, das immer rigoroser gegen Mischehen vorging. Das Staatstheater jedoch gehörte zu Görings Machtbereich, dessen Frau Emmy Sonnemann, eine Schauspielerin, zu Gründgens freundschaftlichen Kontakt hatte, den er geschickt für gefährdete Kollegen zu nutzen wusste."

Eine weise Entscheidung Rühmanns. Die Angriffe gegen ihn und seine Frau wurden immer massiver. Im "Schwarzen Korps", der Wochenzeitschrift der SS, wurde seine Ehe mit einer Jüdin Thema eines Leitartikels. Der "Berliner Aeroclub" stufte Rühmann als unerwünschte Person ein. Als Maria dann, wie alle Juden im Deutschen Reich, ein J in den Ausweis gestempelt bekam, da wusste Heinz Rühmann, dass er handeln musste. Zusammen mit Gründgens hielt das Ehepaar ein Beratungsgespräch ab. Gründgens erreichte über Emmy Sonnemann einen Termin für Rühmann bei Göring. Auf Görings Herrensitz Karinhall in der Schorfheide bei Berlin wurde Rühmann von Göring empfangen. Göring empfahl Rühmann: "Sehen Sie zu, dass Ihre Frau einen neutralen Ausländer heiratet. Das ist die einfachste Lösung! Meinen Segen haben Sie!" Mehr sagte Göring nicht. Zuvor hatte Rühmann mit Goebbels gesprochen. Dieser fragte ihn: "Hängen Sie denn noch an dieser Frau, ist Ihre Ehe noch gut?". Rühmann: "Herr Minister, ich verdanke meiner Frau alles. Sie hat mich zu dem gemacht, was ich bin!". Darauf Goebbels: "Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, dass es über kurz oder lang zu einer Trennung kommen muss!" Nach diesem Gespräch wechselte Rühmann zum Staatstheater.

In sein Tagebuch schrieb Göring am 06.11.1936: "Heinz Rühmann klagt uns sein Eheleid mit einer Jüdin. Ich werde ihm helfen. Er verdient es, denn er ist ein ganz großer Schauspieler."

Am 05.02.1936 lief der Film "Wenn wir alle Engel wären" in den Kinos an. Der Film spielte bis zum 25.10.1939 insgesamt 997.107 Reichsmark ein, hatte dagegen aber nur 430.000 Reichsmark gekostet. Die Komödie wurde an der Mosel gedreht.

Für den 1936 gedrehten Film "Allotria" bekam Rühmann für die Drehzeit vom 10.02. bis 05.04. eine pauschale Gage von 25.000 Reichsmark.

Heinz Rühmann wurde zu einer Geldstrafe in Höhe von 500 Reichsmark verurteilt, "weil er als Ehemann einer Jüdin fahrlässig die bestehende Anmeldepflicht über das inländische Vermögen seiner Ehefrau nicht rechtszeitig bis zum 30.06.1938, sondern erst am 05.08.1938 erfüllt hat." (Bundesarchiv Berlin, Reichskulturkammer, 2600/Box: 0173/File: 18).

Rühmann beriet sich mit Maria. Man ließ sich scheiden (19.11.1938), damit Maria den schwedischen Schauspieler Rolf von Nauckhoff (02.05.1939) heiraten konnte. Maria lebte aber weiter in Berlin, zunächst in der Trabener Str. 1, im Grunewald, dann, von 1942 bis zum 31.03.1943 in Berlin-Schöneberg in der Kurfürstenstr. 107.  1942 wurde die Ehe, die nur eine Zweckgemeinschaft war für die Heinz Rühmann Nauckhoff einen kleinen Sportwagen schenkte, mit Nauckhoff geschieden. Ende März 1943 wanderte Maria nach Schweden aus und liess sich in Stockholm nieder. Rühmann bekam eine Devisenausfuhrgenehmigung, damit er Maria monatlich einen beträchtlichen Betrag (300 Reichsmark bis zum 31.01.1945, als Maria noch in Deutschland war, bekam sie 2000 Reichsmark im Monat von Rühmann) nach Stockholm, wohin Maria 1943 emigrierte, überweisen konnte.

1939 bekam Rühmann für einen Heinz-Rühmannfilm für die Drehzeit vom 15.04.1939 bis zum 15.05.1939 eine Gage von 60.000 Reichsmark als Pauschale. Mitte der dreißiger Jahre bekam er pro Film zwischen 25.000 und 30.000 Reichsmark.

Rühmanns Jahresgage bei der Terra lag bei rund 220.000 Reichsmark, zuzüglich einer Schenkung von 40.000 Reichsmark (steuerfrei) aus dem Privatfond von Adolf Hitler. Für diesen Fond hatte Goebbels Vorschläge zu machen.

Als Rühmann am 08.02.1946 von dem deutschen Entnazifizierungsausschuss über die Höhe seiner Gagen befragt wurde, bestätigte er die 220.000 Reichsmark: "In Ihrer letzten Sitzung wurde ich mir eine gewisse Geschäftstüchtigkeit unterschoben wegen der Erreichung einer Jahresgage von RM 220.000. Die richtige Antwort fällt einem meist erst hinterher ein und die lautet: Mein jüdischer Freund und Manager Fred Pinkus war es, der selbst öffentlich nicht mehr in Erscheinung treten konnte, der mich aber in allem Geschäftlichen beriet und der letzten Endes derjenige war, der diese Gage erzielte." (Bundesarchiv Berlin, Reichskulturkammer: 2705/Box: 0005/File: 07, Blatt 59) - Allerdings vergisst Rühmann dabei, dass Pinkus nach dem Managerverbot sich offiziell nicht um seine Geschäfte hätte kümmern können.

1940 drehte Rühmann anlässlich des 43. Geburtstages von Goebbels einen etwa 8 Minuten langen Film mit dessen Kindern.

1941 wurde Heinz Rühmann als Luftwaffensoldat zur Grundausbildung nach Rechlin eingezogen. An jedem Morgen Grundausbildung, nachmittags Geländemarsch. Wegen eines Meniskusschadens durfte Rühmann nach einer gewissen Zeit mit dem Fahrrad neben herfahren. Ernst Udet besorgte Rühmann die Erlaubnis auf dem nahe liegenden Fliegerhorst zu fliegen. Auf seinem ersten Wochenendurlaub wurde er von Udet zu sich gebeten, sagte aber wegen der schäbigen Uniform ab. Udet erteilte ihm den Befehl zu erscheinen, aber Rühmann folgte nicht. Ernst Udet hat ihm den Ungehorsam nie verziehen.

1942 wirkt Rühmann im Film "Fronttheater" mit. Es ist zwar nur ein 30-Sekunden-Auftritt, aber neben "Wunschkonzert", der zweite Propagandafilm in Rühmanns Film-Chronologie. Rühmanns Auftritt wurde an einem Tag im Dezember 1941 gedreht. (Filmkopie im Bundesarchiv Berlin: Film/B Film-Nr. 08679)

1943 bekam Rühmann erneut Schwierigkeiten; er hatte es gewagt, zu seiner Hochzeit mit der Vierteljüdin Hertha Feiler seine geschiedene Frau, eine Volljüdin, einzuladen. Die Nationalsozialisten sahen darin natürlich einen rein provokatorischen Akt gegen den Nationalsozialismus. Auch weigerte er sich stets, der NSDAP beizutreten und sich politisch eindeutig zu erklären. Und dann hatte Rühmann auch noch seinen Kollegen Otto Wallburg, einen Juden, in Amsterdam besucht. und als Krönung hatte Heinz Rühmann gedroht: "Ich habe den Laden satt - ich gehe ins Ausland!".

Denunzianten hatten in Erfahrung, dass auch Hertha Feiler nicht "rasserein" war, dass Rühmann seine erste Frau Maria und andere nichtarische Freunde zu Gast in seinem Hause hatte, dass er nie "Heil Hitler" sagte. Wegen des Hitlergrusses hatte Rühmann ernsthafte Probleme. Im Film "Der Gasmann" hatte er so schlampig "Na denn Heil Hitler!" gesagt, dass sich das Publikum bei der Premiere so sehr darüber amüsierte, dass Rudolf Heß die Szene aus dem Film herausschneiden liess.

Rühmann wurde wegen einer dicken Akte, "Disziplinarische Untersuchung des Falls Heinz Rühmann", die Goebbels über ihn angelegt hatte zum Reichsfilmintendanten Dr. Fritz Hippler vorgeladen. Dieser las alle Denunziationen emotionslos vor. Aber nach den ersten Punkten erklärte er: "Die ganze Angelegenheit ist mir zu schmutzig. Ich werde dem Minister in diesem Sinne Bericht erstatten. Aber vielleicht gestatten Sie mir noch eine Bemerkung. Seien Sie etwas vorsichtiger mit Ihren Äußerungen, auch gegenüber Ihren 'Freunden', Sie verstehen! Ich weiß, dass Sie mit Udet befreundet sind, der ja kein Blatt vor den Mund nimmt. Aber er untersteht uns nicht, das ist Sache des Herrn Reichsmarschalls. Und noch eines: Zeigen Sie sich etwas öfter in der Öffentlichkeit."

1940 wurde Heinz Rühmann dann Staatsschauspieler.

"Keiner aus meinem Freundeskreis hat sich nach dem Wohlwollen der braunen Herren gedrängt, aber wenn ein Künstlerempfang angesetzt war, mussten wir hin."

Rühmann wurde vom Propagandaministerium aufgefordert, in jeder Wochenschau einen Durchhaltewitz zu erzählen. Es war nicht möglich, das kommentarlos abzulehnen. Nur mit List und vorgeschobenen Schwierigkeiten gelang es Heinz Rühmann, dieses Vorhaben so lange hinauszuschieben, bis es ad acta gelegt wurde. Filmaufnahmen, die Rühmann in Luftwaffenkombination mit Feldwebelrangabzeichen beim Einstieg in ein Flugzeug zeigen, konnte er jedoch nicht verhindern. In der Wochenschau wurden diese Bilder dann gezeigt. Der Kommentator verkündete  dazu, dass auch Heinz Rühmann als Kurierflieger seine Pflicht für Führer, Volk und Vaterland erfülle.

In den sechziger Jahren lieferte Rühmann allerdings eine andere Version dieser Geschehnisse. Dem Historiker Julius Mader, der einen "Dokumentarbericht über das OKW-Amt Ausland/Abwehr" verfassen will, "dass ich, um meinen Flugschein zu erhalten, unter Einschaltung von Herrn Udet, von der Abteilung I-TLw durch Vertrag als Flugzeugführer angestellt wurde, um Kurierflüge durchzuführen." (Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin 4.3-97/01-2)

Es liess sich allerdings nicht klären, ob Rühmann dann tatsächlich Kurierflüge durchgeführt hat.

Heinz Rühmann setzte sich für den Pressechef der Terra, Erich Knauf, ein, als dieser durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Aber ohne Erfolg. (Dieser Vorfall wird von verschiedenen Zeugen bestätigt. Auch von der Witwe Erna Knauf am 20.02.1946 - Bundesarchiv Berlin, R 109 II, Vorl. 5)

"Aber was konnten wir gegen die Todesurteile unternehmen?" fragt Ilse Werner in ihrer Biografie >So wird's nie wieder sein ... Ein Leben mit Pfiff< (Bayreuth 1981, S. 135) "Konnten wir es riskieren, frei und offen gegen die Unmenschlichkeit aufzutreten und zu protestieren? Drei Männer haben es riskiert: Werner Bochmann. Der Produktionschef der Terra, Alf Teichs. Und Heinz Rühmann. Sie richteten eine Bittschrift an Goebbels. Das einzige Ergebnis: Für ihre Menschlichkeit wurden alle drei auf die bösartigste Weise zurechtgewiesen."

1943 drehte Heinz Rühmann in Berlin "Die Feuerzangenbowle". Die mitwirkenden Primaner einer Berliner Schule hofften, dass die Dreharbeiten noch lange dauern würden, damit sie nicht einberufen werden konnten. Andere Kleindarsteller wurden sogar von der Wehrmacht zurückgeholt. Die ganzen Dreharbeiten waren schon ziemlich absurd. Nach Bombennächten ohne Schlaf sollten heitere Szenen gedreht werden. Aber irgendwie hat es funktioniert.

Dann kam die Nachricht, dass "Die Feuerzangenbowle" nicht aufgeführt werden durfte. Rühmann drehte gerade bei Kempten im Allgäu den zweiten "Quax"-Film. Der für den Unterricht zuständige Minister Rust hatte den Film verboten. Begründung: Es fehle ohnehin der Nachwuchs für den Lehrerberuf, und man könne es sich nicht leisten, solche Typen als Lehrer zu zeigen. Aber Rühmann war immer ein Kämpfer und gab nicht auf. Rühmann hatte, wegen der Quax-Filme, Kontakt zum für die Flugaufnahmen zuständigen Oberst Angermund vom Reichsluftfahrtministerium. Diesen kontaktierte er. Angermund wollte feststellen, ob Hermann Göring sich für diesen Film interessieren könnte. Tage später erhielt Rühmann einen Anruf, er solle mit einer Filmkopie ins Führerhauptquartier kommen. Ein Adjutant holte Rühmann am Bahnhof ab und wurde im Gästehaus des Führerhauptquartiers untergebracht, wo er bis zum Abend des dritten Tages warten musste. Die Vorführung des Filmes wurde im engsten Kreis vollzogen. Es war ein großer Erfolg. Göring berichtete Hitler über den Film. Hitler: "Ist der wirklich so komisch?" Göring: "Wir haben uns auf die Schenkel geschlagen!" Hitler: "Dann soll er sofort anlaufen!" Adolf Hitler hat Heinz Rühmann nur aus der Ferne gesehen.

1945 drehte Rühmann "Sag' die Wahrheit" - im letzten Kriegsjahr, die Russen standen 50 km vor Berlin. Hans Brausewetter, mit dem Rühmann befreundet war, sollte mitspielen. Rühmann erreichte seine Freistellung vom Volkssturm. Brausewetters Vorgesetzter zu Rühmann am Telefon : "Sie drehen doch jetzt keinen Film mehr?! Wozu denn...?" Darauf Rühmann: "Ja, glauben Sie denn, das deutsche Volk will nach dem Endsieg keine Filme mehr sehen?" Aber Brausewetter freute sich nicht und lehnte dankend ab. Einige Tage später war er tot - Bomben- und Granatsplitter trafen ihn als er nur für Minuten aus dem Keller seines Hauses in Westend herausgetreten war, um zu sehen, ob das Haus brannte.

In den letzten Kriegstagen hatte Rühmann die Idee, sich und ein Dutzend Mitstreiter in die Organisation Todt (Bautruppe) einzuschmuggeln, um für einen Film über diese großartige Organisation zu recherchieren. Zum Schein - versteht sich. Der Plan gelingt, aber schon ein paar Tage später bricht alles zusammen. Die Kapitulation ist nicht mehr abzuwenden. Doch Rühmann hat das ziel, sich und seine Kollegen vor der Front zu schützen, erreicht.

Auch das Haus der Rühmanns am Wannsee wurde (als einziges Haus der Gegend) von feindlichen Flugzeugen bombardiert, weil deutsche Soldaten im Garten eine Abwehrstellung errichtet hatten. Die drei Rühmanns überlebten im Keller des Hauses, das Haus brannte völlig ab. Von den einmarschierenden Russen wurde Hertha Feiler vor den Augen ihres Mannes mehrfach vergewaltigt.

Im August 1945 liefen die alliierten Untersuchungen gegen Heinz Rühmann, der im Dritten Reich Offizier gewesen sein sollte. Es lagen Denunziationen gegen Rühmann vor - von Kollegen. Die Vernehmungsart war nach Rühmanns Angaben absolut fair. Rühmann sollte Personen nennen und vorbeischicken, die in den Kriegsjahren fast täglich mit ihm zusammen gewesen waren und bezeugen könnten, dass er immer in Berlin oder bei Außenaufnahmen gewesen sei. Dafür gab es genug aussagebereite Menschen.

Im Mai 1945 besuchte der erste Sowjet-Offizier Rühmann, um mit ihm über den Aufbau des neuen deutschen Films zu sprechen. Von den Alliierten erhielt Heinz Rühmann schnell eine Unbedenklichkeitsbescheinigung. Aber spielen durfte er noch nicht wieder. Zunächst musste Rühmann den deutschen Entnazifizierungs-Ausschuss passieren, dem sich jeder Deutsche, der vor 1919 geboren wurde, stellen musste. Die Frage eines Ausschussmitglieds, warum er im Krieg so viele Filme gemacht habe, beantwortete Rühmann mit. "Ich bin nun mal Schauspieler und spiele gern." Rühmann bekam seine Arbeitserlaubnis.

Im Sommer 1946 bekam Rühmann dann nochmals Probleme wegen gefundener Flugaufträge der "Abwehr", die auf seinen Namen ausgestellt waren. Es waren allerdings Privatflüge und Testflüge für die Flugzeugfirma Böcker, für die Rühmann Fahrgestelle erprobte. Admiral Canaris, Chef der Spionageabwehr, hatte sie aus Gefälligkeit für Rühmann abgestempelt.

Heinz Rühmann sagte später über diese Zeit : "...und sprach offen über die Vergangenheit, in der viele - und sicher auch ich - zu oft Scheuklappen getragen und die Ohren verschlossen hatten. Meist lockerte sich nach diesem Eingeständnis die fühlbare Spannung."

 
© 2004 Michael Knoke
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